Mehrere Wirkstoffe in einem Medikament – dank künstlicher DNA

Mehrere Wirkstoffe in einem Medikament – dank künstlicher DNA auf Deutsche Apotheker-Zeitung online

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Der Hi-Tech Läusetod

Der batteriebetriebene Plasmaläusekamm wird auf der Medica in Düsseldorf vorgestellt. Foto: Fraunhofer IST.

Göttingen/Düsseldorf. Wenn es nach den Forschern des Göttinger Anwendungszentrums für Plasma und Photonik (gehört zum Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik in Braunschweig) geht, ist der Läusekamm bald Geschichte. Die kleinen Plagegeister, die gemeine Kopflaus (Pediculus humanus capitis), bekämpft man in Zukunft mit Plasma – Star Trek lässt grüßen. 

„Plasma ist ein Aggregatszustand, der entsteht, wenn einem Gas oder Gasgemisch Energie zugeführt wird“, erklärt Professor Wolfgang Vlöl, Leiter des Anwendungszentrums. Dabei trennen sich die Moleküle und Atome des Gases zum Teil in Ionen und Elektronen auf, es entsteht ein elektrisch leitendes Teilchengemisch. Meist denkt man im Zusammenhang mit Plasma an große Hitze – die Sonne etwa besteht in erster Linie aus Plama bei Temperatuern über 15 Millionen Grad Celsius.

Wer nun überlegt, dass das zwar Läuse effektiv töten würde, aber Haar und Kopfhaut wohl auch schadet, liegt nicht ganz richtig. Denn die Forscher benutzen in ihrem Plasmakamm sogenanntes kaltes Atmosphärendruckplasma. In dem Gerät befindet sich ein Hochspannungserzeuger. Zwischen den Kammzinken entstehen dabei ultrakurze Hochspannungspulse, die die Luft dazwischen ionisieren.

Durch dieses ultrakurzen Pulse werde gerade soviel Energie zugeführt, dass nur die Elektronen beschleunigt, die schwereren Gasteilchen aber nicht aufgeheizt würden, erklärt Vlöl. Damit erhalte man ein Plasma, das Raumtemperatur habe. Diese tötet nicht nur die Läuse, sondern auch deren Eier, die Nissen, die an den Haaren nahe der Kopfhaut kleben. Haare und Kopfhaut bleiben unversehrt.

Dass auch die Nissen abgetötet werden, sei einer der Vorteile des batteriebetriebenen handlichen Geräts, dass die Forscher auf der Medizintechnik-Messe Medica vom 16. 19.November in Düsseldorf zeigen. Bei den bisherigen Methoden etwa mit chemischen Wirkstoffen in Shampoos müsse die Behandlung meist nach rund einer Woche wiederholt werden, um die dann aus den Nissen geschlüpften Läuse ebenfalls zu erwischen. Das ist beim Plasmakamm anders: „Bereits nach einmaligem Durchkämmen ist die Hälfte der flügellosen Insekten tot. Innerhalb eines Tages ist man die Quälgeister los“, sagt Vlöl.

Damit kann dann auch auf die meist besonders für Kinder schmerzhafte mechanische Methode mit dem engzinkigen Läusekamm verzichtet werden. Den Plasmakamm testen die Forscher bereits gemeinsam mit Kinderarztpraxen.

Geplant ist, das patentgeschützte Gerät als kosmetisches Produkt in Kleinserie auf den Markt zu bringen. Und in einer etwas modifizierten Version könne der Plasmakamm auch für Haustiere angewendete werden.

Volker Budinger